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Olé Sevilla – 10 Dinge, die man in und um Andalusiens Hauptstadt nicht verpassen sollte

Spanien: Sevilla - Skyline - Emotion

Was München für Deutschland ist, ist Sevilla für Spanien: ein Stadt gewordenes Klischee. In Bayern wie Andalusien stimmt das natürlich nur oberflächlich betrachtet. Weil ja, in Sevilla gibt es Tapas, Flamenco und Stierkampf, aber eben auch noch so einiges mehr. Außerdem ist die viertgrößte Stadt Spaniens günstiger als ihr bayerisches Pendant und nur etwa 100 Kilometer vom nächstgelegenen Mittelmeerstrand entfernt. Das macht „die Stadt der Träume“, wie ihre Bewohner sie liebevoll nennen, zum optimalen Urlaubsziel in Spanien – egal ob für einen reinen Städteurlaub oder einen Kombitrip, bei dem man mit einem Mietwagen nicht nur Sevilla, sondern auch das wunderschöne Umland erkundet.

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Multikulturelle Pracht aus alten Tagen

Mauren, Juden und Katholiken haben Sevilla geprägt, und der spanische Imperialismus
Spanien: Sevilla - Gärten des Alcazar

Ein bisschen Sightseeing muss hier schon sein. Das historische Stadtzentrum zählt zu den größten Europas. Die engen Gassen sind voller kleiner Schätze, besonders im ehemaligen jüdischen Viertel Santa Cruz. Gleich ums Eck steht die Kathedrale, wo zumindest ein Teil der Gebeine von Christoph Kolumbus begraben liegt, denn einst war Sevilla Spaniens wichtigster Umschlagsplatz für den Handel mit der neuen Welt. Der Hafen des Guadalquivir ist bis heute für Seeschiffe befahrbar. Der Turm der Kathedrale, die Giralda, war einst ein Minarett. Und neben der Kathedrale befindet sich der maurische Königspalast Alcázar.

  • Game of Thrones-Fans aufgepasst: Die Gärten dienen als Drehort für die Wassergärten von Dorne
  • Die Giralda ist knapp hundert Meter hoch und hat Rampen statt Treppen. Der Legende nach, damit der Muezzin mit einem Pferd in die Höhe reiten konnte
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Tapas essen wie die Spanier

Kein Sevilla-Urlaub ohne Mahlzeiten im Snack-Format, oder..?
Spanien: Sevilla - Schnecken© B. Wöhrle

Eine Tapa ist eine reine Größenbezeichnung für eine kleine Portion. Auf sie folgt die media ración (halbe Portion), auf diese die ración (ganze Portion). In Sevilla macht das insbesondere im Sommer Sinn – wer hat bei gut 40 Grad am Tag und gerne noch über 30 bei Mitternacht schon wirklich Hunger? Aber lieber Reisender, aufgepasst! Der wahre Spanien-Kenner bestellt sich auch bei einem stattlichen Loch im Bauch keine fünf Tapas für sich allein. Also esst wie die Sevillaner – immer in guter Gesellschaft und dann nicht mit lauter einzelnen Tapas, sondern: Jeder sucht ein Gericht aus und dann werden größere Portionen bestellt und alle essen alles. Que viva la geschmackliche Vielfalt!

  • Typische Tapas in Sevilla: Carrillada (Schweinebäckchen) und Ensaladilla Rusa (Oliviersalat)
  • Noch typischere Tapa für Mutige: Caracoles. Schnecken in würzigem Sud
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Flamenco, Flamenco

Zum kleinen, mittleren und großen Preis, aber immer authentisch
Spanien: Sevilla - Flamenco© Casa de Memoria

Um echten, guten, künstlerisch hochwertigen Flamenco muss man sich hinaus und unter Einheimische wagen. In Sevilla ist das zum Glück kein Problem. Die andalusische Hauptstadt ist wahrscheinlich die größte Flamenco-Hochburg überhaupt. Anders gesagt: Wer durch Sevilla geht und nicht den ein oder anderen Flamenco-Klang zu hören bekommt, muss schon sehr ignorant sein. Vom Straßenkünstler über die tablaos, die typischen Bühnen dieser Kunstform, bis hin zum großen Spektakel im Theater – hier gibt es alles.

  • Umsonst: täglich um 22 Uhr in der Carbonería in der Calle Cespédes 21
  • Zum kleinen Preis: montags und mittwochs im Caja Negra (Calle Fresa), donnerstags im La Sra Pop (Calle Amor de Dios)
  • Mittlere Preisklasse und exzellente Künstler: täglich in der Casa de la Memoría (Calle Cuna)
  • Gehoben: je nach Angebot im Teatro de la Maestranza, im Teatro Central oder im Teatro Quintero
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Sevilla von oben

„Las Setas“ statt Giralda
Spanien: Sevilla - Brücke

Kirchturm kann jeder. Auch, wenn er mal ein Minarett war. Und da die meisten Gebäude in Sevilla niedrig und das Gelände der Stadt sehr flach ist, reichen die 26 Meter des „Metropol Parasol“ vollkommen aus, um sich einen Überblich zu verschaffen. Zudem ist der Zugang zu der Holzkonstruktion an der Plaza de la Encarnación gratis und die Fahrt mit dem Aufzug nach oben kostet nur drei Euro. Die Sevillaner nennen die organischen Strukturen schlicht „Las Setas“: die Pilze. Entworfen wurde die Konstruktion übrigens vom deutschen Architekten Jürgen Mayer. 2013 war das Bauwerk für den Mies van der Rohe Award nominiert.

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Aire de Sevilla

Wellness im arabischen Bad
Spanien: Sevilla - Aire de Sevilla© Aire de Sevilla

Mitten im historischen Viertel Santa Cruz in einer unscheinbaren Gasse gelegen, eröffnet sich Ruhesuchenden eine ganz besondere Wellness-Oase: die baños arabes in der Calle Aire 15. Mit einem Eintrittspreis von 33 Euro für einen zweistündigen Besuch von Montag bis Donnerstag und 36 Euro am Wochenende nicht gerade günstig, aber trotzdem jeden Cent wert. Denn neben dem spektakulär schönen Ambiente mit Kerzenlicht können sich Reisende hier unter anderem im Sprudelbad verspannte Muskeln lockern lassen, im Salzwasserbecken driften und im Dampfbad regenerativ schwitzen. Ein Blick auf die Zusatzangebote lohnt sich – von diversen Massagen und Kosmetik-Behandlungen bis zum abendlichen Bad mit live Flamenco-Begleitung kann man sich hier nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen.

  • Der Zugang ist beschränkt, eine Voranmeldung lohnt sich
  • Bademäntel, Schlappen, Kosmetika, Tee und Wasser sind im Preis inbegriffen
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Siesta

Warum das ein oder andere Nickerchen zum Sevilla-Urlaub dazu gehört
Spanien: Frau macht Siesta

In Sevilla gilt – ganz typisch spanischer Süden – zwischen etwa 14 Uhr und 18 Uhr schließen zumindest kleinere Läden ihre Schotten, machen eine ausgiebige Mittagspause und es wird ruhig auf den Straßen. Dafür feuern die Restaurants und Tapas-Bars von 14 Uhr bis 16 Uhr die Töpfe an und servieren warme Gerichte. Danach wird geschlafen. Das fördert die Verdauung und das allgemeine Wohlbefinden. Wer schonmal im Juni, Juli oder August in Sevilla war und eine Hitzewelle mit Temperaturen über 40 Grad erlebt hat, weiß außerdem: Die Siesta ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Dafür ist man danach wieder fit, um die laueren Stunden am Abend gebührlich zu genießen.

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Fiesta

Semana Santa und Feria de Abril
Spanien: Sevilla - Feria de Abril

Wer Sevilla im Ausnahmezustand erleben möchte, kommt am besten zur „Semana Santa“ oder zur „Feria de Abril“. Für beide Festwochen lässt sich festhalten: Sowas hat man vorher noch nicht erlebt und doch sind sie ganz unterschiedlich. In der Osterwoche ziehen rund 60 prachtvolle Prozessionen durch die Stadt – mit bis zu 17.500 Teilnehmern allein innerhalb des Umzugs. Heiligenfiguren, Büßer, Kerzen, Bittgesänge – alles dabei. Dagegen ist der einstige Viehmarkt „Feria de Abril“ eher mit dem Oktoberfest vergleichbar, nur dass sie im April oder Mai gefeiert wird: bunte Zelte, farbenfrohe Trachten, Pferde und vor allem viel Musik.

  • Die berühmtesten und größten Prozessionen starten in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag
  • Die „Feria de Abril“ beginnt und endet mit einem Lichterspektakel bzw. einem Feuerwerk, jeweils um Mitternacht
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Jenseits des Flusses

Das Traditionsviertel Triana
Spanien: Sevilla - Fluss Guadalquivir

„Triana, Triana que bonita está Triana“ – wie schön ist Triana, so der Text eines berühmten Flamenco-Lieds. Das Viertel, das westlich des historischen Zentrums zwischen zwei Armen des Flusses Guadalquivir liegt, hat Tradition, Charme und gilt als eine der Wiegen des Flamencos. Schon die Römer ließen sich hier nieder und gut 500 Jahre lebte und arbeitete ein Großteil der in Sevilla ansässigen Roma-Bevölkerung. Dann vertrieben Immobilienspekulanten mit Unterstützung der franquistischen Verwaltung in den 1960er und 1970er Jahren viele „gitanos“ in den Südwesten der Stadt. Die bunten Häuser am Flussufer, urige Kneipen und das Flair sind aber geblieben.

  • Der Blick von der Brücke von Triana lohnt sich vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung
  • Essen und einkaufen kann man in der Markthalle von Triana am Ende der Brücke
  • Echtes Flamenco-Flair gibt es im Lola Cacerola, in der Calle Castilla, aber erst ab 1 Uhr nachts
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Ab ins Grüne

Ausflug in den Naturpark Coto de Doñana
Spanien: Sevilla - Nationalpark© CHECK24/ J. Wöhrle

Weites Marschland, Tausende Zugvögel im Winter und seltene Vogelarten, Luchse, Dünen und viel Grün: Der Nationalpark Doñana im Südwesten von Sevilla ist Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet. Die Landschaft ist einzigartig, die Fauna vielfältig und die weiten Sandstrände von Mazagón und Matalascañas liegen direkt im beziehungsweise an dem Schutzgebiet. Den Nationalpark selbst kann man nur nach Voranmeldung und im Zuge geführter Touren besuchen, aber der Ausflug lohnt sich nicht nur für explizite Naturliebhaber.

  • Das Busunternehmen Damas fährt täglich von Sevilla nach Mazagón und Matalascañas
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Die Mezquita

Tagestour nach Córdoba
Spanien: Cordoba - Roman Brigde

Gut eine Autostunde im Nordosten von Sevilla liegt Córdoba, Standort eines der berühmtesten Gebäude der Welt: der Mezquita. Als Córdoba noch die Hauptstadt des arabischen Al-Andalus-Reichs war, berühmt für ihre Poeten, Philosophen, Bildung und kulturelle Vielfalt, war sie eine der wichtigsten Moscheen des Planeten. Im Zuge der Reconquista wandelten die katholischen Könige sie in eine Kathedrale um, ohne jedoch die maurische Architektur zu zerstören. Neben der Mezquita wartet Córdoba mit einer römischen Steinbrücke, den Resten eines römischen Tempels, einem ehemaligen jüdischen Viertel und einem eigenen Alcazar – also einem Königspalast – auf. Zudem ist Córdoba berühmt für drei Tapas, die hier erfunden wurden: die kalte Suppe „Salmorejo“, die panierten Schinken-Käse-Schnitzel-Röllchen „Flamenquin“ und den Ochsenschwanzeintopf „Rabo de toro“.

  • Game of Thrones-Fans nochmal aufgepasst: Die römische Brücke von Córdoba dient als Drehort für die Lange Brücke von Volantis

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Über den Autor

Julia Wöhrle

„Mich brennt's in meinem Reiseschuh“ habe ich schon als Kind bei den mir unliebsamen Wanderurlauben in den Alpen geträllert. Inzwischen entscheide ich selbst, wo die Reise hingeht: Mal nach Island, mal nach Belize, aber dann war es doch immer wieder Spanien und ganz besonders oft und gerne Sevilla. Meine Begeisterung für fremde Länder, Menschen, Sitten und Gerichte fließt immer auch in meine Blogartikel ein.