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Klein, aber oho – 13 Gründe, warum Andorra eine Reise wert ist

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Als der Stand der Technik wesentlich rustikaler und die Winter noch härter waren als heute, blieb Andorra in der kalten Jahreszeit komplett von der Außenwelt abgeschottet. Alte Fotos zeigen, wie Männer die Grenzstraßen des Zwergstaats in den Pyrenäen im Frühling von den letzten Schneewänden freischippten und die Menschen auf der anderen Seite freudig begrüßten. Heute ist es unwahrscheinlich, dass der Schnee Andorra isoliert. Doch das kleine, bergige Land versprüht immer noch nostalgischen Charme und den Frohsinn seiner Bewohner. Und wir haben noch weitere gute Gründe für eine Reise nach Andorra!

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Andorra ist nicht überlaufen

Geheimtipp mit guter Infrastruktur
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Andorra zählt zumindest für europäische Standards noch zu den Geheimtipps unter den Urlaubsländern. Mit gut drei Millionen Besuchern im Jahr 2017 lag der Zwergstaat im internationalen Vergleich auf Rang 72 der meistbesuchten Länder der Welt. Spitzenreiter der Liste sind dabei ausgerechnet Andorras direkte Nachbarn Frankreich mit fast 87 Millionen Besuchern und Spanien mit knapp 82 Millionen Gästen. Das Spannende ist allerdings, dass die Zahlen in Andorra stark rückläufig sind: Vor zehn Jahren kamen noch gut neun Millionen Menschen, die meisten davon allerdings als Tagestouristen. Auf künftige Urlauberströme ist das Land also bestens vorbereitet.

  • Tagestourismus: Gut 60 Prozent der Urlauber in Andorra bleiben nicht über Nacht.
  • Nachbarschaftstourismus: Über die Hälfte von Andorras Besuchern kommt aus Spanien, mehr als ein Drittel aus Frankreich.
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Shopping-Paradies

Niedrige Zölle und Steuern
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Bis 2006 gab es in Andorra noch nicht einmal eine Mehrwertsteuer, bis heute liegt sie spektakulär niedrig bei 4,5 Prozent im Normalsatz. Dasselbe gilt für die Umsatzsteuer und die Zölle – willkommen in Andorra, dem Paradies für Luxus- und Powershopper! Die Hauptstadt Andorra la Vella ist mit rund 23.000 Einwohnern zwar eigentlich eher ein großes Bergdorf, trotzdem reihen sich hier die Läden namhafter Designer aneinander. Zu den bekanntesten Kaufhäusern zählt das Pyrénées Andorra, das alle wichtigen Marken führt. Außer Mode und Schmuck gehören Lebensmittel und besonders Tabak und alkoholische Getränke zu den beliebtesten Produkten bei einkaufsfreudigen Besuchern.

  • Bevor Spanien 1986 der EU beitrat, war der Duty-Free-Tourismus in Andorra besonders bedeutend.
  • Alkohol, Tabak und Lebensmittel sind in Andorra bis heute sehr günstig.
  • Andorra baut noch immer selbst Tabak an, teilweise auch für große Marken wie Camel und Marlboro.
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Naturoase

Bezaubernde Bergwelt
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Im Sommer bieten die kühlen Höhen Andorras eine erfrischende Abwechslung zur sengenden Hitze in den Küstenregionen. Schafe und Kühe grasen auf grünen Wiesen und besonders in der naturbelassenen Idylle des Vall del Madriu-Perafita-Claror im Südosten lassen sich Tiere wie Gämsen, Dachse, Steinadler, diverse Geierarten und Murmeltiere erspähen. Das Gletschertal gehört zum Welterbe der UNESCO und erstreckt sich über neun Prozent der Fläche des gesamten Staats. Im Winter bietet das Land, das sich über ein Hochtal der Pyrenäen erstreckt, beste Bedingungen für Wintersportler.

  • Andorra ist mit 468 Quadratkilometern kleiner ist als Ibiza.
  • In den andorranischen Pyrenäen gibt es 65 Gipfel, die über 2.000 Meter hoch sind.
  • Der niedrigste Punkt von Andorra liegt bei 840 Metern Höhe und befindet sich an der spanischen Grenze.
  • Der höchste Berg von Andorra ist mit 2.942 Metern der Coma Pedrosa.
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Das größte Skigebiet der Pyrenäen

Wintersport für die ganze Familie
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Im Durchschnitt liegt Andorra auf 2.000 Metern Höhe und nennt mit Grandvalira das größte Skigebiet der Pyrenäen sein Eigen. Auf seinen 128 Pisten von insgesamt 120 Kilometern Länge fühlen sich vor allem Familien und Jugendliche wohl. Die beiden Skigebiete um Vallnord sind um einiges kleiner, doch vor allem Vallnord/ Pal-Arinsal – La Massana bietet ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Insgesamt gibt es in Andorra rund 300 Pistenkilometer und 100 Lifte, die pro Stunde 156.000 Skifahrer befördern können.

  • Grandvalira liegt auf einer Höhe von 1.710 bis 2.640 Metern über dem Meeresspiegel.
  • Das Skigebiet von Grandvalira setzt sich aus sechs verschiedenen Sektoren zusammen: Encamp hat die schönsten Aussichten, Familien lieben Canillo, Extremsportler El Tarter und Pas de la Casa hat den besten Schnee.
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Romanische Architektur

Auf Kirchenrundgang
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Wer durch die Landschaft von Andorra streift, kommt nicht um sie herum: archaisch wirkende, schnörkellose Kirchen aus Granit. In der Tat sind die Gotteshäuser ein Relikt aus der Blütezeit der Romanik in Andorra. Viele stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert und erscheinen von außen schlicht, bieten innen aber prunkvolle Verzierungen sowie Wandmalereien. Zu den bedeutendsten Bauten zählen das Ensemble von Santa Coloma d’Andorra, das in Teilen sogar aus dem 6. bis 8. Jahrhundert stammt, sowie die Kirchen Sant Climent von Pal, Sant Martí von La Cortinada, Sant Romà von Les Bons, Sant Joan de Caselles in Canillo und Santa Eulalia in Encamp.

  • Die Kirche von Santa Coloma ziert die seltenen 10-, 20- und 50-Cent-Münzen aus Andorra.
  • Seit 1999 versucht Andorra, die wichtigsten romanischen Bauten als Welterbe der UNESCO anerkennen zu lassen.
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Die deftige Bergküche

Leckereien mit katalanischem Einfluss
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Wie überall, wo das Leben traditionell von Kälte und Entbehrungen geprägt ist, setzt auch die andorranische Küche auf herzhafte und gehaltvolle Gerichte. Fleisch spielt dementsprechend eine wichtige Rolle in dem Zwerg- und Bergstaat, gerne gebraten oder gegrillt. Besonders beliebt ist Schweinefleisch, aber auch Wild und Kaninchen kommen oft auf den Tisch. Insgesamt ähnelt die Küche der katalanischen. Typische Gerichte sind Kaninchen mit Tomaten („conill amb tomàquet“), das Eintopfgericht „Trinxat“ aus Kartoffeln, Kohl und Speck, Flussforelle Andorranisch oder das Pilzomelette „Truites de Carreroles“.

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Geheimtipp für Wellness-Reisen

Das Caldea und andere Spas
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Psssst – nicht weitersagen! Andorra ist das optimale Ziel für alle, die ausgiebige Entspannung in luxuriöser Umgebung schätzen. Das Fürstentum beheimatet unter anderem das größte Berg-Spa in Europa: das Caldea Spa in Esclades-Engordany. Das große, mit Glas verkleidete und an eine Kirche erinnernde Gebäude bietet Wellness auf satten 32.000 Quadratmetern und mehreren Ebenen. Die verschiedenen Becken, Massagedüsen und Wasserfälle werden von einer natürlichen, heißen Quelle gespeist, die reich an Schwefel, Natrium, Sulfaten und Calcium ist. Doch damit nicht genug: Zahlreiche Hotels in Andorra verfügen über hochwertige Wellness-Bereiche – optimal nach dem Wandern, einem langen Tag auf der Piste oder einfach zum Genuss.

  • Der offizielle Name des Caldea Spa lautet Centre Termolúdic Caldea.
  • Das Caldea Spa wurde 1994 eröffnet und ist seither das größte Spa in Südeuropa.
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Wandern in unberührter Natur

Unterwegs zwischen Blumen und Bergseen
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Wohl der beste Weg, Andorra kennenzulernen, ist ein Wanderweg. Beziehungsweise eine der 66 Routen, die Besucher durch die einmalig grüne Berg- und Pflanzenwelt des Landes führen. 90 Prozent der Fläche sind unbebaut, drei Naturparks, 24 Berghütten und mehr als 60 Gletscherseen bieten optimale Bedingungen für Wanderer. Vor allem in den Tälern von Sorteny, Comapedrosa und Madriu-Perafita-Claror – also die Schutzgebiete – gibt es Wege für jeden Geschmack und alle Schwierigkeitsstufen. Wer möchte, kann in fünf bis sieben Tagen sogar das ganze Land durchqueren.

  • Die Touristen-Informationen in Andorra verkaufen einen günstigen Wanderführer mit 66 Routen.
  • In Andorra dürfen Wanderer ab 2.300 Metern Höhe überall ein Zelt aufschlagen.
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Eine bunte Museenlandschaft

Autos, Tabak und Parfüm
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Es ist schon fast seltsam, dass sich so viele Museen auf so engem Raum tummeln, aber es ist so: Mehr als 20 Museen in Andorra gewähren Einblick in ganz verschiedene, spannende Welten. Das Sanktuarium Nostra Senyora de Meritxell ist der Schutzheiligen und den religiösen Traditionen des Landes gewidmet. Gleich zwei ethnographische Museen, die Casa Cristo und die Casa Rull, zeigen das Alltagsleben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, das von harter Arbeit und Sparsamkeit einer bäuerlichen Gesellschaft geprägt war. Die Kunst des Bildhauers Josep Viladomat gibt es im Centro de Arte de Escaldes-Engordany. Auch der Tabak-, Automobil- und Parfümindustrie sowie dem Postwesen des Landes sind eigene Museen gewidmet.

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Als Ausflug ab Barcelona

Der perfekte Wochenendtrip
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Zugegeben, die Anreise nach Andorra könnte leichter sein. Das Land hat keinen Flughafen und ist nur über Straßen erreichbar, was übrigens nicht für viele Länder der Welt gilt. Allerdings liegen fünf internationale Flughäfen in rund 200 Kilometern Entfernung, allen voran: Barcelona. Die Autofahrt von der Mittelmeermetropole zum Fürstentum dauert etwa drei Stunden. Deswegen ist ein Tagestrip von Barcelona nach Andorra zwar möglich, aber wird dem kleinen Land eigentlich nicht gerecht. Im Zweifel lohnt sich die Reise trotzdem. Erst recht, wenn der geneigte Urlauber für ein, zwei Nächte im Zwergstaat bleibt.


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Andorra ist ideal für Rundreisen

Unterwegs auf allen Straßen
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Die reinen Kilometer hören sich fast albern an: Andorras Straßennetz kommt auf eine Gesamtlänge von 269 Kilometern. Davon wiederum sind 198 Kilometer asphaltiert. Es gibt sechs Haupt- und diverse Nebenstraßen, alle Grenzübergänge liegen an den Hauptstraßen („carreteres generals“, kurz CG). Optimale Bedingungen also, um wortwörtlich alle Straßen des Landes abzufahren. Wer nicht selbst fahren will, kann eine der insgesamt sechs Überlandlinien des offiziellen Busverkehrs nutzen. Schienenverkehr gibt es in Andorra nicht.


Die wichtigsten Verkehrsregeln in Andorra
  • Es gilt Rechtsvorfahrt, außer auf Hauptstraßen.
  • Das Tempolimit liegt bei 40 Stundenkilometer innerorts und bei 90 Stundenkilometer außerorts.
  • Das Telefonieren mit dem Handy ist nur mit Freisprechanlage erlaubt.
  • In Kreisverkehren hat nur dann der Verkehr zum Rondell Vorfahrt, wenn vorab ein weißes, dreieckiges Schild mit rotem Rand und drei schwarzen Pfeilen auf einem Kreis platziert ist.
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Andorra ist zauberhaft seltsam

Allerhand kuriose Fakten
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Andorra hat kein eigenes Postwesen, nutzt dafür aber gleich das spanische und das französische System. Schulsysteme gibt es ebenfalls mehrere: französisch, spanisch und andorranisch. Das Fürstentum kommt seit seiner Gründung 1278 ohne Kriege aus. Außerdem ist es das einzige Land der Welt, das – zumindest symbolisch – von zwei Kofürsten aus dem Ausland regiert wird: Dem Bischof von Urgell und dem französischen Präsidenten. Bis 2014 hatte Andorra keine eigene Währung und nutzte einst spanische Peseten, französische Francs und später den Euro. Andorra gehört aber nicht zur EU. Trotzdem hat das Land seit 2014 seine eigenen Euromünzen, die sehr selten und dementsprechend begehrt sind. Und obendrein scheint in Andorra an etwa 300 Tagen im Jahr die Sonne.

  • Die Post innerhalb von Andorra ist gratis.
  • Postleitzahlen gibt es erst seit 2004.
  • Seit 1278 gab es nur ein persönliches Treffen der Kofürsten von Andorra: am 25. August 1973 zwischen dem spanischen Bischof Joan Martí Alanís und dem Georges Pompidou.
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Andorra ist liberal

Von Steuern und Homosexualität
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Die Zeiten haben sich geändert und selbst in der einstigen Steueroase Andorra sind die Steuersätze nicht mehr ganz so paradiesisch wie einst. Inzwischen gibt es nicht nur eine Mehrwert-, sondern auch Erbschafts- und Einkommensteuer. Die Sätze sind im Vergleich zu anderen Ländern allerdings weiter sehr niedrig. Andorra geht aber nicht nur mit dem Kapital, sondern auch mit sexuellen Vorlieben wesentlich liberaler um als andere Staaten: Homosexualität ist bereits seit 1970 nicht mehr strafbar und bereits seit 2005 sind eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften gesetzlich anerkannt.


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Über den Autor

Julia Wöhrle

„Mich brennt's in meinem Reiseschuh“ habe ich schon als Kind bei den mir unliebsamen Wanderurlauben in den Alpen geträllert. Inzwischen entscheide ich selbst, wo die Reise hingeht: Mal nach Island, mal nach Belize, aber dann war es doch immer wieder Spanien und ganz besonders oft und gerne Sevilla. Meine Begeisterung für fremde Länder, Menschen, Sitten und Gerichte fließt immer auch in meine Blogartikel ein.